Dynavox VR-70E II Test: Lohnt sich der Aufpreis gegenüber dem VR-20?

Der Dynavox VR-70E II: Mehr als nur ein aufgebohrter VR-20?

Wer den Dynavox VR-20 kennt, fragt sich früher oder später: Lohnt sich der Aufpreis für den VR-70E II? Die Antwort ist differenziert – aber tendenziell: Ja, wenn du die Leistung brauchst. Hier ist, was du wirklich bekommst.

Technische Daten im Überblick

  • Ausgangsleistung: 2×40 Watt RMS
  • Vorstufen-Röhren: 2× 6F2 (ECF82)
  • Endstufen-Röhren: 4× EL34
  • Frequenzgang: 10 Hz – 40 kHz
  • Klirrfaktor (THD): <1 %
  • Eingangsimpedanz: 20 kOhm
  • Ausgangsimpedanz: 4 und 8 Ohm
  • Signal/Rausch-Abstand: >88 dB
  • Abmessungen: 350×185×300 mm (B×H×T)
  • Gewicht: ca. 14,5 kg
  • Verfügbare Farben: Schwarz, Chrom
  • Preis: ca. 500–600 Euro

Verarbeitung und Optik

Der VR-70E II macht optisch einiges her. Das Metallgehäuse ist solide gefertigt, die vier EL34-Röhren thronen sichtbar auf dem Gehäuse und geben dem Verstärker das typische Röhrenamp-Aussehen. Die Chrom-Variante ist besonders auffällig – ein echter Blickfang in jedem Wohnzimmer.

Die Verarbeitung ist für den Preis ordentlich: sauber verschraubtes Gehäuse, vernünftige Cinch-Buchsen, ein stabiler Lautstärkeregler. Auf absolut hochwertige Bauteile wie bei 1.500-Euro-Amps darf man nicht hoffen – aber das ist bei diesem Preis auch nicht zu erwarten.

Klang: Was die EL34 dem VR-70E II gibt

Der größte Unterschied zum kleineren VR-20 liegt in der Endstufenbestückung: EL34 statt 6P6P. Das hört man. Die EL34 bringt einen mittenreichen, druckvollen Klangcharakter mit sich, der besonders Stimmen, Gitarren und Streicher überzeugend wiedergibt.

Im direkten Vergleich zum VR-20 klingt der VR-70E II voller, mit mehr Basstiefe und besserem Tiefgang. Das ist nicht nur die höhere Leistung – es ist der Röhrentyp, der hier den Unterschied macht.

Stärken:

  • Warmer, mittenreicher EL34-Klang
  • Gute Bühnenabbildung für die Preisklasse
  • Ausreichend Leistung für Lautsprecher ab 85 dB
  • Tiefgang deutlich besser als beim VR-20

Schwächen:

  • Ausgangsübertrager kein High-End – bei großen Lautsprechern hört man die Grenzen
  • Kein Phono-Eingang
  • Nur ein Eingang – Eingangsumschalter nötig bei mehreren Quellen
  • Kein Bias-Messanschluss von außen (Bias-Einstellung erfordert Öffnen des Gehäuses)

Für welche Lautsprecher geeignet?

40 Watt EL34 klingen subjektiv wie 60–80 Watt eines Transistorverstärkers. Damit kommt der VR-70E II mit einer deutlich breiteren Lautsprecher-Palette zurecht als der VR-20:

  • Empfindlichkeit 85–87 dB: Gut geeignet, ausreichend Reserven
  • Empfindlichkeit 88–92 dB: Ideal, volle Klangentfaltung
  • Empfindlichkeit 93+ dB: Mehr als ausreichend, sehr gut auch im Zimmerbetrieb

VR-70E II vs. VR-20: Lohnt der Aufpreis?

Eigenschaft VR-20 VR-70E II
Leistung 2×10 W 2×40 W
Endröhren 6P6P EL34
Frequenzgang 20 Hz – 60 kHz 10 Hz – 40 kHz
Gewicht 9,2 kg 14,5 kg
Preis ca. 350–400 € 500–600 €
Für Lautsprecher ab 88 dB 85 dB

Der Aufpreis lohnt sich, wenn: du Lautsprecher unter 88 dB hast, einen größeren Raum beschallst oder den EL34-Klangcharakter schätzt. Wer hochempfindliche Lautsprecher und einen kleinen Raum hat, kommt mit dem VR-20 klanglich genauso weit.

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Fazit: Solider Aufstieg in die Mittelklasse

Der Dynavox VR-70E II ist kein audiophiles High-End-Gerät – aber ein ehrliches, solide gebautes Einsteigergerät mit gutem Klang, ausreichend Leistung und dem typischen EL34-Charakter. Für rund 550 Euro bekommst du einen vollwertigen Röhrenverstärker, der in den meisten Wohnzimmer-Setups mehr als ausreicht. Wer weiter wachsen möchte, findet in der 800–1.500-Euro-Klasse den nächsten Schritt.

Über Sabine Kessler

Sabine Kessler ist Musikerin, Gitarristin und überzeugte Röhren-Enthusiastin. Sie entdeckte ihre Begeisterung für Röhrenverstärker während ihres Musikstudiums, als sie den Klang ihres ersten Vollröhren-Gitarrenverstärkers hörte. Heute testet sie Röhrenverstärker aus Musikerperspektive und erklärt, worauf Gitarristen beim Kauf wirklich achten sollten. Darüber hinaus schreibt sie über DIY-Projekte und den Selbstbau von Röhrenverstärkern – von der ersten Lötübung bis zum fertigen Amp.